Kelly Slaters Wavepool und die Zukunft des Surfens

Die internationale Surfsaison hat auf Hawaii gerade ihr Ende gefunden, der zweite Brasilianer ist Weltmeister, da lässt Kelly die Bombe platzen. Wavegarden war gestern, Kelly Slaters Wavepool ist das neue Maß der Dinge. Bisher ist es nur ein Video, doch das verspricht perfekte Barrels auf Knopfdruck.

Die Idee einer künstlichen Welle, unabhängig von Swell, Wind und Gezeiten ist nicht neu. Auf Teneriffa und in Dubai gibt es seit einigen Jahren einen Wavepool. Doch die Wellen können mit denen im Ozean nicht mithalten. Auch der Energieverbrauch ist riesig. Dann kam der Wavegarden, da saß die Surfwelt schon einmal gebannt vor dem Bildschirm und hat von perfekten Wellen weit enfternt vom Meer geträumt. Der erste kommerzielle Wavegarden hat zwar mittlerweile in Wales eröffnet, die Anlage ist jedoch häufiger wegen Defekten geschlossen als geöffnet. Viele weitere Wavegarden-Initiativen sind von einer Realisierung noch immer weit entfernt.

Die Revolution

Es ist noch zu früh um sagen zu können, ob Kellys Wavepool diese Probleme dauerhaft lösen kann und die Revolution des Wellenreitens einleiten wird. Doch sicher ist, die Revolution wird kommen und es wird eine echte Revolution. Wenn gute Wellen für die Masse, hunderte Kilometer vom Ozean entfernt, verfügbar werden, wird das den Sport für immer verändern. Auf allen Ebenen.

Für den ersten Surfkurs braucht es keine Surfcamps in Frankreich oder Portugal mehr. Jeden Dienstag um Drei ist dann Training, wie beim Fußball. Die Profis messen sich in der immer gleichen Welle bei Olympia. Keine Laydays mehr, gleiche Chancen für alle, kein Glück bei der Wellenauswahl. Kalkulierbar zur besten Sendezeit im Fernsehen und den großen Metropolen. Auch für den durchschnittlichen Surfer wird sich eine Frage stellen. Den teuren Jahresurlaub ohne Wellengarantie in der Ferne verbringen oder einfach jeden Tag zuhause surfen?

Das Bild des Surfens

Vielleicht war es nie real, aber auch das Bild des Surfers wird sich verändern. Der Typ, der immer nur am Strand rumhängt, sich nicht um Karriere schert, der Aussteiger in Flipflops. Morgen schon halt nur das Hobby, so wie Fahrradfahren oder Handball spielen? Und die berühmten Lineups dieser Welt? Überfüllt, weil dann jeder surfen kann oder leer, weil eben nicht perfekt wie im Wavepool?

Und wir Norddeutschen? Mal ehrlich, wie viele würden sich dann noch für 500 Kilometer an einem Tag ins Auto nach Dänemark setzen? Ja, ich will noch daran glauben. Surfen ist doch mehr als eine Welle hinabgleiten und mechanisch Turn nach Turn in die Wand aus Wasser zu setzen. Es geht um das Salz auf der Haut, die Suche und das kleine Gefühl des Abenteuers. Deshalb wird es uns Traditionalisten immer geben. Surfer, die irgendwo da draußen in ihren rostenden Bullis schlafen, auf der Suche nach nicht perfekten Wellen.

Auch Kelly Slaters Wavepool wird die Welt nicht über Nacht verändern, doch die Revolution kommt, unaufhaltsam. Und wir sind ein Teil von ihr.

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