Pottwale im Wattenmeer – Auf der Suche nach Gründen

So sollte es eigentlich sein, dicke Pottwale glücklich im Meer

So sollte es eigentlich sein, dicke Pottwale glücklich im Meer

Es sind wirklich keinen schönen Bilder. 29 Pottwale sind im Wattenmeer und in der südlichen Nordsee seit Januar 2016 (Stand 8. Februar) gestrandet – davon 16 in Deutschland, 6 in den Niederlanden, 6 in England und 1 in Frankreich. Ein trauriges Ereignis, welches momentan durch viele Medien geht. Ich wollte wissen, wie es dazu gekommen ist und habe mich deshalb mit Rainer von der Surfrider Foundation Norddeutschland unterhalten.

Pottwale im Wattenmeer

Foto: Brunckhorst/LKN.SH

Die Liebe zum Meer, zur Natur und der Wunsch diese zu erhalten und im Einklang mit ihr zu leben, bewegt viele Surfer. Zu sehen, dass Meeresgeschöpfe wie die Pottwale im Wattenmeer direkt vor unserer Haustür verenden, bedrückt und macht uns nachdenklich.

Bei den Walen handelt es sich um junge Pottwalbullen, die sich wohl auf dem Weg vom Nordpolarmeer Richtung Azoren befanden. Die männlichen Tiere jagen vor allem im Norden, wo es mehr Nahrung und weite Gebiete gibt. Zur Paarung schwimmen sie in südliche Gefilde, wo sich die Weibchen aufhalten. Die Pottwale im Wattenmeer sind vermutlich bei den Shetlandinseln falsch abgebogen und haben sich so in den südlichen Teil der Nordsee verirrt. Dass wie vor dem Kaiser-Wilhelm-Koog gleich 8 der Tiere stranden und verenden liegt auch daran, dass sie sich im Rudel bewegen und hintereinander schwimmen. Biegt also der Leitbulle falsch ab, so folgen ihm die anderen und es ereilt womöglich alle das gleiche Schicksal. „Einer für alle… alle für einen… „

Pottwale im Wattenmeer

Die zwei Pottwale, die vor Helgoland gefunden wurden
Foto: Christoph Goetze/ Schutzstation Wattenmeer

Warum passiert das?

Mein erster Gedanke war „das elende Plastik im Ozean“, das viele Meerestiere fressen und daran verenden. Aber liegt es wirklich daran? Bisher sind die Umstände, wie es zu dem aktuellen Walsterben kam, weitgehend ungeklärt.

Rainer von der Surfrider Foundation hat sich am ersten Februarwochenende selbst ein Bild von der Lage vor Ort gemacht hat. Zu dem Zeitpunkt waren die Pottwalkadaver vom Kaiser-Wilhelm-Koog schon geborgen und zum Meldorfer Hafen gebracht worden. Dort wurden sie zerlegt und sollen von Wissenschaftlern untersucht werden. Rainers Resümee  „wirklich furchtbar“.

Pottwale im Wattenmeer

Obduktion der acht Pottwale vom Kaiser-Wilhelm Koog
Foto: Rainer Uhl/Surfrider Foundation Norddeutschland

Laut Rainer können die Pottwale theoretisch auch durch den Ärmelkanal an ihr Ziel, die Azoren, kommen. Allerdings ist der Ärmelkanal wahrscheinlich zu laut für die empfindsame Ortung der Tiere. Er ist eine viel befahrene Wasserstraße, der Lärm von Schiffen und U-Booten kann die Säuger stören. Auch die Bohrinseln der Nordsee sind Lärmfaktoren. Außerdem beeinträchtigt das flache Wasser die Echoortung der Pottwale im Wattenmeer und kann für die Säugetiere verheerend sein. Der Tidenhub von bis zu 4 Metern Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser birgt dabei ein besonderes Strandungsrisiko für die dicken Jungs.

Im Format „Schleswig-Holstein 18:00“ des NDR geht es um den Abtransport der 8 Wale, die am Kaiser-Wilhelm-Koog auf Sandbänken gestrandet sind. Im Video wird auch eine weitere mögliche Ursache diskutiert. Verstärkte Sonnenaktivitäten, die das Magnetfeld der Erde verändern, können Grund für das Verschwimmen sein. Das Erdmagnetfeld dient den Walen als geologische Karte, schon kleine Veränderungen verfälschen die Karte und so können die Pottwale im Wattenmeer gelandet sein. Zeitlich ist es möglich, da etwa 10 bis 14 Tage vor der Strandung Eruptionen auf der Sonne zu messen waren.

Foto: Brunckhorst/LKN.SH

Foto: Brunckhorst/LKN.SH

Ein natürliches Unglück?

Bei all diesen Theorien fragen wir uns, wieso nur relativ junge Pottwale gestrandet sind und keine älteren Bullen dazwischen waren. Laut Rainer sind die Pottwale wahrscheinlich nicht verhungert. Die Obduktion hat bisher auch ergeben, dass nicht „zu viel“ Plastik im Magen der Tiere gefunden wurde. Es ist also durchaus möglich, dass es sich um ein natürliches Unglück handelt und Plastikmüll im Meer in diesem Fall nicht Schuld an den traurigen Ereignissen hat. Bisher lässt nur der Unterwasserlärm auf äußere Ursachen schließen.

Im Durchschnitt wurden etwa 28 Strandungen im Jahrzehnt gezählt, jetzt sind es bereits 29 seit Januar. So traurig es auch ist, dass nun mehr Pottwale stranden, laut Rainer soll es auch ein Zeichen dafür sein, dass sich die Bestände erholen und es wieder mehr von ihnen gibt. Zumindest das lässt uns hoffen.

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